Organisationskultur und Netzwerke

In der heutigen digitalen Welt ist die Kraft der Netzwerke aus der Arbeitswelt kaum mehr wegzudenken: Virtuelle Arbeitsgruppen und Teams, Arbeits- und Wissensgemeinschaften (Communities of Practice), Web-Seminare, Online-Meetings etc. spielen eine immer größere Rolle.

Im Bereich der Organisationskultur werden die Vorteile der neuen Netzwerke jedoch von den Unternehmen tendenziell noch zu wenig genutzt. Dies hat möglicherweise damit zu tun, dass Kultur eher abstrakter Natur ist. Manager tun sich schon schwer genug damit zu verstehen, wie man die Unternehmenskultur erneuern kann − von einem nutzbringenden Einsatz von Netzwerken zu diesem Zweck ganz zu schweigen.

Dabei sind Netzwerke für einen kulturellen Erneuerungsprozess unerlässlich. Kulturrelevante Botschaften enthalten häufig emotionale Inhalte. Wenn es darum geht, die Werte oder den Zweck einer Organisation zu vermitteln, wird ein rationaler Diskurs, der auf reiner Logik basiert, niemals die erwünschte Wirkung zeigen. Auch eine offizielle Mitteilung des Vorgesetzten kann eine solche Botschaft niemals effektiv rüberbringen. Besprechungen über Unternehmenskultur finden am besten in einem informellen Umfeld mit gleichgestellten Kollegen statt. Zu diesem Zweck haben wir Culture Cafés® in Verbindung mit Peer-to-Peer-Lernen als eine leistungsstarke Kombination erkannt und erstmals zum Einsatz gebracht: Sie ermöglicht es den daran teilnehmenden Mitarbeitern, die kulturellen Botschaften wirklich zu verinnerlichen und sich zu eigen zu machen.

Die Fortschritte im Verständnis der Netzwerke können diesem Prozess eine noch stärkere Wirkungskraft verleihen. Professor Rob Cross von der University of Virginia studiert und erforscht Organisationsnetzwerke seit den 1990er Jahren. Seine Arbeit führte zur Entwicklung und Optimierung der heutigen Organisationellen Netzwerkanalyse (ONA). Diese Methode hilft Unternehmen besser zu verstehen, wie Menschen zusammenarbeiten und welche Kommunikationsmuster innerhalb der ihrer Organisation herrschen. ONA kann zum Beispiel kontraproduktive Silos sichtbar machen, die einer erfolgreichen Zusammenarbeit entgegenstehen.

Mithilfe der Organisationellen Netzwerkanalyse lassen sich auch die unterschiedlichen Rollen innerhalb bestehender Arbeitsbeziehungen erkennen. Zwei dieser Rollen − Central Connector und Information Broker − können sich für einen kulturellen Erneuerungsprozess als unverzichtbar erweisen. Central Connectors pflegen sehr viele direkte Beziehungen innerhalb eines bestimmten Unternehmensbereichs. Sie haben zumeist einen guten Überblick über ihren Teil des Unternehmens und sind gemeinhin diejenigen, an die sich Mitarbeiter wenden, um an Input oder Informationen zu gelangen. Die Information Broker verfügen über Verbindungen zwischen allen Untergruppen in einem Netzwerk, das funktions-, hierarchie- oder länderübergreifend aktiv ist. Sie sind unverzichtbar für Initiativen, die die Unternehmensgrenzen umspannen


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ENSEMBLE ENABLER empfiehlt den kulturellen Erneuerungsprozess rund um jene Personen zu gestalten, die über effektive Verbindungen innerhalb der gesamten Organisation verfügen − das heißt die Central Connectors und Information Brokers. Diese können im Rahmen einer vor dem Culture Café® durchgeführten ONA identifiziert und strategisch gezielt eingeladen werden. Ihre Präsenz wird die Verbreitung der kulturellen Kernbotschaften enorm steigern und beschleunigen.

Zu guter Letzt ist wichtig zu wissen, welche Individuen in den Beziehungen rund um sie herum besonders viel Energie ausstrahlen. In jeder Gruppe gibt es Menschen, die wir gerne um uns haben und andere, auf die wir gut verzichten könnten. Die erste Gruppe würden wir als Energiespender bezeichnen, da uns der Kontakt mit ihnen mit positiver Energie erfüllt. Solchen Menschen hören wir grundsätzlich eher zu, besonders wenn es um emotional geprägte Themen geht − der Kern jeder kulturellen Erneuerung. Im Rahmen einer Netzwerkanalyse lassen sich diese Menschen mithilfe der folgenden Frage identifizieren: „Nennen Sie Personen in Ihrem Arbeitsumfeld, die Ihnen positive Energie spenden. Mit anderen Worten, die Ihnen Begeisterung für Ihre Arbeit und das Gefühl vermitteln, dass Ihre Tätigkeit im Unternehmen wichtig ist und etwas zählt.“

Energiespender sind hervorragend geeignet, um Peer-to-Peer-Gespräche zu moderieren, wie sie nach einem Culture Café® stattfinden − 90-minütige Diskussionen über die Ergebnisse und die Wirkung des Culture Cafés® zwischen dem Moderator und 5-6 Personen, die aus irgendeinem Grund nicht an dieser Dialogveranstaltung teilnehmen konnten. Im Rahmen eines kulturellen Erneuerungsprozesses sind diese Gespräche ein ganz wesentliches Element, um die neue Kultur innerhalb der gesamten Organisation zu verbreiten und zu verankern.

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